Ist das bloß Müdigkeit – oder Eisenmangel?

Wenn es draußen kalt und dunkel ist, fühlen sich viele Menschen schlapp, blass und angreifbar. Ist das nur der Winterblues – oder fehlt dem Körper etwas? Manche suchen in der Drogerie oder Apotheke nach Mittelchen, die dem müden Körper wieder auf die Sprünge helfen sollen. Beliebt sind dann unter anderem Nahrungsergänzungsmittel mit Eisen.

Tatsächlich ist Eisenmangel relativ verbreitet. „In Europa sind davon etwa 10 Prozent der Bevölkerung betroffen. Unter den Frauen sind es sogar 20 Prozent“, sagt Georgia Metzgeroth, Oberärztin für Hämatologie und Onkologie an der Universitätsklinik Mannheim.

Dennoch empfiehlt die Expertin keine freiverkäuflichen Eisenpräparate. Wenn man sich müde fühle, antriebsarm und blass, also die typischen Anämie-Symptome zeige, sei das ein Fall für den Doktor. Der müsse zunächst prüfen, ob es sich tatsächlich um einen Eisenmangel handelt.

Zudem seien die Mittel aus der Drogerie zu niedrig dosiert, um einen Eisenmangel oder gar eine Eisenmangel-Anämie, also die Blutarmut, wirksam zu behandeln. Die Präparate erweckten daher nur den Anschein, etwas gegen typische Eisenmangel-Symptome zu tun. Für bestimmte Risikogruppen, etwa Menschen mit einer sogenannten Eisenspeicherkrankheit, bestehe dennoch die Gefahr einer Überdosierung.

Nicht ohne ärztlichen Rat!

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfehlen, Eisenpräparate nur nach ärztlichem Rat einzunehmen. Denn es könne nicht ausgeschlossen werden, dass durch eine längerfristige, unkontrollierte Einnahme das Risiko von Diabetes sowie Herz- und Krebserkrankungen steige. Mehr als sechs Milligramm täglich soll man ohne ärztliche Absprache nicht zu sich nehmen.

Aber wann ist es Zeit, sich dem Arzt vorzustellen? Eine Unterversorgung bemerkt man zunächst kaum. Der Körper greift als erstes auf vorhandene Reserven zu, erklärt Metzgeroth. Erst wenn man über längere Zeit zu wenig Eisen zu sich nimmt, kommt es zu einem Mangel. Zu den ersten Symptomen zählen

  • trockene Haut,
  • Haar- und Nagelbrüchigkeit,
  • Einrisse in den Mundwinkeln,
  • eine erhöhte Infektanfälligkeit.

Steuert man spätestens jetzt nicht gegen, kann es zur Blutarmut kommen. Sie zeigt sich in jedem Fall durch

  • Müdigkeit,
  • allgemeine Schwäche,
  • Konzentrationsprobleme
  • und die Störung in der Körpertemperaturregulation.

Laut Metzgeroth können die Symptome noch vielfältiger sein: Manche erleben etwa das sogenannte Restless-Legs-Syndrom, bei dem die Beine nachts immer wieder zucken.

Risikofaktor Regelblutung

Zu einer echten Eisenmangel-Anämie kommt es hierzulande nur bei lediglich 0,6 Prozent der Bevölkerung. Einem Mangel vorbeugen sollten daher nur bestimmte Risikogruppen. Diese unterscheidet man nach erhöhtem Bedarf und verminderter Aufnahme.

Einen erhöhten Bedarf haben laut Metzgeroth insbesondere Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter und Schwangere: „Denn bei der Geburt verliert eine Frau etwa ein Gramm Eisen. Auch bei jeder Menstruation verliert die Frau Eisen. Daher sind Frauen generell eisenärmer als Männer.“ Auch Extremsportler und Sportler, die Muskelaufbau betreiben, sowie Kinder und Jugendliche während der Wachstumsschübe brauchen mehr Eisen. Krankheiten mit chronischen Blutungen wie die Gastritis führen ebenso zu einem erhöhten Bedarf.

Eine verminderte Eisenaufnahme hingegen könne durch Krankheiten entstehen – wenn etwa zu wenig Magensäure gebildet wird. Auch einige Medikamente beeinträchtigen die Eisenresorption. Zu den häufigsten Ursachen zählt jedoch eine einseitige Ernährung.

Auch Gemüse enthält Eisen

Wer jetzt an Vegetarier und Veganer denkt, liegt falsch. Junkfood und die falsche Kombination von Lebensmitteln sind problematischer. „Es ist richtig, dass der Körper Eisen aus tierischer Nahrung besser verwerten kann als aus pflanzlichen Lebensmitteln. Was aber nicht heißt, dass man als Vegetarier oder Veganer automatisch unterversorgt sein muss“, sagt Ernährungswissenschaftlerin Antje Gahl von der DGE.

Vegetarier sollten allerdings darauf achten, viel Vitamin C mit der Nahrung aufzunehmen, da dieses die Aufnahme von Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln steigert.

Um einem Eisenmangel vorzubeugen, empfiehlt die DGE eine Eisenzufuhr von 10 Milligramm pro Tag für Männer und 15 Milligramm pro Tag für Frauen. Diese seien über eine gesunde, ausgewogene Ernährung gut zu erreichen. „Unsere wichtigsten Quellen für die Eisenzufuhr – wenn man die Verzehrmenge, Häufigkeit des Verzehrs und den Eisengehalt betrachtet – sind Brot, Fleisch, Wurstwaren und Gemüse“, sagt die Ernährungswissenschaftlerin.

Eisenreiche Lebensmittel sind unter anderem Pfifferlinge, Spinat, Schwarzwurzeln, Linsen, Rindfleisch, Schweineschnitzel, Haferflocken, Roggen- sowie Weizenvollkornbrot.

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