Schock-Funde bei Discountern: Resistente Keime in jedem zweiten Hähnchen

Erschütternde Ergebnisse einer Stichprobe für Hähnchenfleisch: Mehr als die Hälfte aller Proben der Universität Greifswald war mit antibiotikaresistenten Keimen belastet. Das teilte die Umweltorganisation Germanwatch am Dienstag in Berlin mit. Das Hauptrisiko liegt dabei besonders bei der Küchenhygiene. 

Gerd-Ludwig Meyer ist seine Wut auf industrielle Tierhaltung und ihre Folgen anzumerken. Der Facharzt für Innere Medizin und Nierenspezialist behandelt auch schwerkranke Patienten, bei denen Antibiotika kaum noch oder gar nicht mehr anschlagen. Manchmal sterben sie deshalb. Schuld daran können für Meyer auch Lebensmittel sein – wenn sie Keime enthalten, die resistent gegen Antibiotika sind, sagt der Arzt aus Nienburg (Niedersachsen). Dabei geht es etwa um Fleisch, wenn Nutztiere diese Medikamente während der Mast bekamen.

Wie hoch das Ausmaß dieser potenziellen Belastung ist, wollte die Umweltorganisation Germanwatch in einer neuen Stichprobe für Hähnchenfleisch wissen. Testkäufer gingen bundesweit in Discountern wie Aldi, Lidl, Penny und Netto einkaufen (eine genaue Filial-Übersicht finden Sie hier). 59 Proben analysierte die Universität Greifswald im Auftrag von Germanwatch ohne Unterbrechung der Kühlkette im Labor.

Erschütternde Ergebnisse für Aldi, Penny und Co.

Im Ergebnis war rund die Hälfte der Proben (56 Prozent) mit antibiotikaresistenten Keimen besiedelt, wie die Umweltorganisation am Dienstag in Berlin mitteilte. Darunter waren zum Beispiel Erreger, die unempfindlich gegen viele Antibiotika sind (MRSA). Bei jeder dritten Hähnchenprobe fanden sich sogar Keime mit Resistenzen gegen Antibiotika, die nur eingesetzt werden, wenn andere versagen. Germanwatch Bei Penny waren mit 82 Prozent aller Proben die meisten Fleischprodukte belastet.

"Diese Befunde halten wir für alarmierend", sagt Reinhild Benning, Agrarexpertin bei Germanwatch. Bei Testkäufen in Schlachtereien, die nicht industriell arbeiteten, sei in elf Proben lediglich neun Prozent des Hähnchenfleischs mit solchen Keimen belastet gewesen. Germanwatch fordert deshalb eine Kennzeichnung von Fleisch aus industrieller Tierhaltung – um Verbrauchern eine Entscheidung wie bei Eiern zu ermöglichen.

Vor allem der Nachweis mehrerer verschiedener Antibiotika-Resistenzen im Hähnchenfleisch macht den Arzt Gerd-Ludwig Meyer wütend. Er hat auch Landwirtschaft studiert. Er sei nicht dagegen, wenn ein einzelnes krankes Tier ein Antibiotikum bekomme, sagte er auf der Pressekonferenz von Germanwatch. Aber wenn massenweise Tiere erkrankten, stimme für ihn etwas mit den Haltungsbedingungen nicht. Er richte sich mit seiner Kritik nicht gegen Landwirte generell, betont er. "Mir geht es um Agrarökonomen, Hedgefonds und um die Politik." Es gehe aber auch um Supermarkt-Kunden, die nur wenig Geld für ein Stück Fleisch ausgeben wollten.

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