Krankenkassen zahlen nicht mehr für Globuli

Wer in Frankreich homöopathische Mittel kauft, muss diese künftig selbst zahlen. Die Krankenkassen werden die Kosten dafür nicht mehr übernehmen, teilt das französische Gesundheitsministerium mit.

Die derzeitige Erstattung von 30 Prozent der Kosten wird zunächst zum Jahreswechsel auf 15 Prozent abgesenkt, wie das französische Gesundheitsministerium am Dienstag mitteilte. 2021 soll es dann gar keine Kostenübernahme mehr geben. Gesundheitsministerin Agnès Buzyn erklärte, die Übergangsphase solle sowohl den Patienten als auch der Industrie Zeit zur Vorbereitung geben. Der weltweit größte Hersteller homöopathischer Mittel, das Unternehmen Boiron, hat seinen Hauptsitz in Frankreich.

Das Urteil der Gesundheitsbehörde

Die französische Gesundheitsbehörde HAS war Ende Juni zu dem Schluss gekommen, dass es keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege für eine Wirksamkeit der Homöopathie gebe, um ihre Erstattung durch die öffentliche Krankenkasse zu rechtfertigen. Sie hat nach eigenen Angaben neun Monate lang fast 1200 homöopathische Arzneimittel geprüft und mehr als tausend wissenschaftliche Publikationen analysiert.

Die HAS betonte außerdem, dass die Anwendung der Homöopathie bei schwerwiegenden fortschreitenden Krankheiten die medizinisch notwendige Behandlung nicht verzögern darf.

Der Streit in Frankreich hatte vergangenes Frühjahr mit einem Meinungsbeitrag in der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ begonnen. Darin forderten 124 Ärzte „den Ausschluss der esoterischen Disziplinen – darunter die Homöopathie – aus der Medizin“. Die Vereinigung Homöopathischer Ärzte antwortete mit einer Klage vor der Nationalen Ärztekammer „wegen Verletzung des Berufsethos“.

Die medizinische Fakultät Lille hatte anschließend beschlossen, den Diplomkurs für Homöopathie 2018/19 auszusetzen. Daraufhin ordnete Gesundheitsministerin Agnès Buzyn die Prüfung der Homöopathie durch die Oberste Gesundheitsbehörde an. „Homöopathie wird bisher ohne jede wissenschaftliche Kontrolle erstattet“, sagte Buzyn damals. „Wenn diese Medizin nützlich ist, wird sie weiterhin erstattet. Wenn nicht, hört das auf.“

In Deutschland können Krankenkassen entscheiden, ob sie homöopathische Behandlungen erstatten. Viele Versicherungen zahlen beispielsweise für ein Diagnosegespräch bei einem homöopathischen Arzt. Daran gibt es immer wieder Kritik. So spricht sich der SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach dagegen aus, dass Krankenkassen für Homöopathie aufkommen.

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