Archäologen verblüffen mit These: Kam Sars-CoV-2 über Deutschland und Singapur nach Italien?

Forscher der Universität Cambridge haben einen Sars-CoV-2-Stammbaum erstellt. Dafür nutzten sie die virologischen Daten von 160 Virus-Genomen aus aller Welt und stellten so nicht nur unterschiedliche Virus-Typen fest, sondern konnten sie auch die Wege nachstellen, die das Virus genommen hat.

Ein Team aus britischen und deutschen Archäologen will entschlüsselt haben, wie das Coronavirus nach Europa gekommen ist. Dafür nutzten die Forscher um Peter Forster vom McDonald Institute for Archaeological Research an der Universität Cambridge eine phylogenetische Netzwerkanalyse. Wie sie im Rahmen ihrer Veröffentlichung berichten, wurde diese Art der Analyse ursprünglich von Archäologen entwickelt, die die menschliche Stammesgeschichte rekonstruieren wollten. Seit 2003 wird sie außerdem für die Erforschung der Sprachgeschichte angewandt.

Mit phylogenetischen Netzwerkmethoden untersuchen Forscher die Entwicklung und Verbreitung einer Spezies (oder Art) eines Lebewesens oder Virus. Im Gegensatz zu konventionellen Stammbaummethoden ermöglicht es dieser Ansatz, hunderte mögliche Stammbäume gleichzeitig in einer übersichtlichen Darstellung anzuzeigen.

„Es ist jetzt an der Zeit, die Herangehensweise des phylogenetischen Netzwerks auf virologische Daten anzuwenden, um zu erforschen, wie diese Methode zum Verständnis der Evolution des Coronavirus beitragen kann“, schreiben die Wissenschaftler. Ihre Erkenntnisse veröffentlichten sie im Fachjournal „Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States“.

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Archäologen füllten Stammbaum mit international gesammelten Daten zum Virusgenom

Demnach war es den Archäologen mithilfe der phylogenetischen Netzwerkanalyse möglich, nachzuvollziehen, wie sich Sars-CoV-2 nicht nur innerhalb Chinas entwickelte, sondern auch, wie es von dort aus in andere Länder gelangen konnte. Um das Netzwerk zu füllen, nutzten sie die Daten der Plattform Gisaid. Auf der speichern Forscher ihre Erkenntnisse über die Genome des Coronavirus, um sie weltweit miteinander zu teilen.

Insgesamt gab es dort zum Zeitpunkt der Untersuchung Informationen zu 254 Sars-CoV-2-Genomen, davon 244, die bei Menschen isoliert wurden, neun aus Pangolinen und einen aus einer Fledermausart. Derzeit gehen Wissenschaftler davon aus, dass Sars-CoV-2 ursprünglich von Fledermäusen stammt und über Pangoline in menschliche Körper gelangen konnte. Pangoline sind Schuppentiere, die auf chinesischen Schwarzmärkten als Delikatessen gehandelt werden.

Die Software zur Netzwerkanalyse nutzt die Daten aus den Genomen, um mit ihrer Hilfe Stammbäume zu erstellen. So analysierten die Forscher 160 der bekannten Genome und fanden heraus: Das Genom des Fledermaus-Virus stimmt zu 96,2 Prozent mit dem menschlichen Virus überein. 

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Forscher unterscheiden drei Typen des Virus: A, B und C

Außerdem zeigt der entstandene Stammbaum, dass sich das Virus zu drei verschiedenen Typen entwickelt hat. Die Wissenschaftler nannten sie Typ A, B und C.

Typ A ist dabei der Typ, der dem Fledermaus-Virus am ähnlichsten ist und gilt somit als Urahn der menschlichen Sars-CoV-2-Viren. Er soll sich nachdem er die Fledermäuse verlassen hat, in zwei Genvarianten entwickelt haben – den C- und den L-Typ – und sich in diesen Formen verbreitet haben. Alle Träger der Typ-A-Genome stammten entweder aus Wuhan oder hielten sich in der Zeit während ihrer Ansteckung in Wuhan auf.

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In einer ihrer Grafiken legen die Wissenschaftler außerdem eine Verbindung nach Singapur nahe: Ein Zweig verbindet Italien und Singapur direkt miteinander, diese Verbindung bleibt jedoch im Rest des Papers unkommentiert.

Weiter zeigt der Stammbaum, dass das Virus aus Italien nach Brasilien, aber auch nach Mexiko reiste. Die Forscher beschreiben, wie der erste Fall in Mexiko über Italien und Deutschland bis nach Wuhan zurückzuverfolgen ist. Einen Monat dauerte seine Reise.

Mit dem Stammbaum möchten die Archäologen nun ihren Teil dazu beitragen, die Reisewege des Virus besser vorhersagen zu können und dadurch unerkannte Sars-CoV-2-Infektionsquellen zu finden, welche dann in Quarantäne gestellt werden können. Sie hoffen, dadurch zur Eindämmung des Virus beizutragen.

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