Blutverdünner: Dosierungsfehler und Wechselwirkungen mit neuer App vermeiden – Heilpraxis

Neue App hilft bei Auswahl und Dosierung von Blutverdünnern

Gerinnungshemmer, die im Volksmund auch als „Blutverdünner“ bezeichnet werden, hemmen die Bildung von Blutgerinnseln und senken so das Risiko für die Bildung von Thrombosen, Embolien und Schlaganfällen. Diese Medikamente können somit zwar Leben retten, doch aufgrund von Überdosierung oder Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln drohen auch gesundheitliche Risiken. Mit einer neuen App lassen sich solche Gefahren vermeiden.

Fachleuten zufolge nehmen rund eine Million Menschen in Deutschland langfristig gerinnungshemmende Medikamente ein. Diese Mittel sollen Patientinnen und Patienten unter anderem vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Nun wurde eine neue App entwickelt, die bei der Auswahl und Dosierung der sogenannten Blutverdünner helfen kann.

Verlässliche Orientierungshilfe

Laut einer aktuellen Mitteilung entwickelt das Team der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) bereits seit mehr als 20 Jahren digitale Unterstützungssysteme mit dem Ziel, Dosierungsfehler und Wechselwirkungen bei medikamentösen Therapien zu vermeiden.

Für Patientinnen und Patienten bedeutet das: gesicherte Wirksamkeit ohne vermeidbare Nebenwirkungen, für verschreibende Ärztinnen und Ärzte: verlässliche Orientierungshilfe bei einer Vielzahl möglicher Medikamente.

Aktuell haben die Heidelberger Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um Prof. Dr. Walter E. Haefeli gemeinsam mit Partnern der Firmen Daiichi Sankyo und Bayoonet AG mit „easyDOAC“ eine webbasierte App entwickelt, die bei Auswahl und Dosierung bestimmter Gerinnungshemmer unter anderem bei Vorhofflimmern unterstützt.

Nach Eingabe einiger wesentlicher Informationen zur Patientin beziehungsweise zum Patienten erhalten Nutzende sofort Vorschläge für die in der jeweiligen Situation zugelassenen Arzneimittel, die individuell angepassten Dosierungen sowie Warnungen zu kritischen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten.

Die App steht ab sofort Ärztinnen und Ärzten sowie Apothekerinnen und Apothekern kostenlos unter „www.easydoac.de“ zur Verfügung. Sie eignet sich zur Online- und Offline-Nutzung auf Smartphone, Tablet sowie PC.

Gravierende Folgen für die Wirksamkeit möglich

Bei Vorhofflimmern schützt die Einnahme bestimmter Gerinnungshemmer davor, dass sich im Herzen Blutgerinnsel bilden und – mit dem Blutstrom weitertransportiert – beispielsweise Schlaganfälle verursachen.

Diese sogenannten direkten, nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien (DOAK) gehören heute weltweit zur Standardtherapie bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit bestimmten Formen von Vorhofflimmern.

Vor allem für alternde Betroffene ist eine regelmäßige Anpassung der Dosierung wichtig, weil sich bei ihnen mit der Zeit Stoffwechsel und Nierenfunktion, aber auch die Einnahme zusätzlicher Medikamente zur Behandlung weiterer Erkrankungen verändern.

„Dosierungsfehler bei DOAK können gravierende Folgen für die Wirksamkeit der Therapie und die Lebensqualität der Patienten haben“, sagt Prof. Haefeli, Ärztlicher Direktor der Abteilung Klinische Pharmakologie und Pharmakoepidemiologie am UKHD.

„Da kein Arzt oder Apotheker alle entsprechenden Informationen zu möglichen Medikamenten und deren Dosisanpassungen im Kopf haben kann, ist der Bedarf an konkreten Entscheidungshilfen bei der Auswahl und Dosierung groß.“

Unkompliziert, schnell und sicher

Um diesen Bedarf zu bedienen, entwickelte der Wissenschaftler mit seinem Team die Idee einer frei verfügbaren, übersichtlichen, intuitiv bedienbaren, digitalen State-of-the-Art-Lösung für Angehörige der Heilberufe.

Die Progressive Web-App (PWA) bezieht ihre Informationen aus geprüften Quellen, die von der Ärztin oder vom Arzt beziehungsweise von der Apothekerin oder vom Apotheker durch Eingabe der Patienten- oder Patientinnenmerkmale Alter, Gewicht, Nierenfunktion und Medikation gefiltert werden.

Den Angaben zufolge werden besondere Risiken und Wechselwirkungen ebenso angezeigt wie Informationen zu Tagestherapiekosten oder Nutzenbewertung.

„Wenn komplizierte Zusammenhänge gut aufbereitet werden, verlieren sie ihren Schrecken“, sagt Haefeli. „Die App kann direkt am Bett des Patienten, auf der Station oder im Behandlungszimmer der Praxis angewendet werden – immer verfügbar, unkompliziert, schnell und sicher.“

Mit seinem Team entwickelte der Experte unter anderem bereits das Arzneimittel-Informationssystem „AiDKlinik“, das Informationen zu allen auf dem Markt befindlichen Medikamenten und Packungen bereitstellt und Entscheidungsunterstützung für besondere Herausforderungen heutiger Therapien (zum Beispiel Wechselwirkungen) bietet. (ad)

Autoren- und Quelleninformationen

Quelle: Den ganzen Artikel lesen