Der Kampf des Körpers gegen Corona entscheidet sich in der Nase

Dass das Coronavirus längst nicht nur Lunge und Atemwege betrifft, ist inzwischen bekannt. Ein Forscherteam hat jetzt vier Körperregionen identifiziert, die für ein Einnisten des Erregers besonders anfällig sind. Ob es überhaupt in den Körper gelangt, hängt von der Nasenschleimhaut ab.

Eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 kann verschiedene Organe beeinträchtigen. Das weiß die Wissenschaft inzwischen. Welche dafür jedoch besonders prädestiniert sind und an welchen Organen das Virus in der Folge möglicherweise auch besonders heftigen Schaden anrichten kann, ist bisher unklar.

Um das herauszufinden, haben Forscher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) sowie der US-amerikanischen Cornell University jetzt verschiedene Zelltypen des menschlichen Körpers genau daraufhin untersucht.

Demnach sind vor allem vier Organe potenzielle Corona-Hotspots im Körper:

  • Darm
  • Nieren
  • Hoden
  • Plazenta

Wie die Wissenschaftler in ihrer im Fachjournal „Cell Reports“ erschienenen Studie erklären, scheinen die Zellen dieser Organe besonders anfällig dafür zu sein, dass das Coronavirus über einen Rezeptor an sie andockt und sich so erfolgreich in den Körper schleußt. Den sogenannten ACE2-Rezeptoren sprechen Wissenschaftler bereits seit Monaten eine mutmaßliche Schlüsselrolle zu.

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Doch nicht nur die Rezeptoren auf der Zelloberfläche berücksichtigten die Forscher für ihre Studie. Auch das Vorkommen bestimmter Proteine, die der Erreger mutmaßlich benötigt, um sich innerhalb einer Zelle zu vermehren, und Enzyme, die das Eindringen des Virus in die Zelle blockieren, analysierten sie. Zusammengefasst haben sie die Vielzahl der aus ihrer Sicht relevanten Merkmale als „SCARFs“ – eine Abkürzung für den englischen Ausdruck „Sars-CoV-2 and coronavirus associated receptors and factors”. Die vier benannten „Corona-Hotspots“ scheinen davon besonders viele aufzuweisen.

Nasenschleimhaut ist das entscheidende Corona-„Schlachtfeld“

„Wir konnten zudem eine Reihe zellulärer Faktoren identifizieren, die alternativ zum ACE2-Rezeptor dazu beitragen könnten, dass Sars-CoV-2 in Lunge, Herz und zentrales Nervensystem gelangt“, führt Studienautor Viskas Bansal, Datenwissenschaftler am DZNE-Standort Tübingen, weiter aus. „Es ist bekannt, dass Sars-CoV-2 neurologische Störungen auslösen kann. Zwar wurde das Virus bisher nicht in Neuronen nachgewiesen, das Nervensystem umfasst jedoch andere Zellen wie Astrozyten und Perizyten, die zum Beispiel an der Regulation der sogenannten Blut-Hirn-Schranke beteiligt sind. Das ist die Schnittstelle zwischen Gehirn und Blutkreislauf.“

Auf Basis ihrer Studienergebnisse könnten auch diese Zellen für eine Infektion anfällig sein. „Dabei könnte möglicherweise ein Rezeptor namens BSG eine Rolle spielen.“ Alles in allem liefere die deutsch-amerikanische Studie daher eine Fülle von Daten und konkrete Ansatzpunkte für künftige Studien über das Coronavirus, betonen die Autoren.

Die Zellen der Nasenschleimhaut identifizierten sie dabei als vermutlich entscheidendes „Schlachtfeld“, wenn es darum geht, ob das Virus überhaupt erstmals in den Körper eindringen kann oder eben nicht. Demnach enthalten die Zellen der Nasenschleimhaut sowohl Faktoren, die eine Infektion begünstigen, als auch Faktoren, die den Eintritt des Virus hemmen. „Es scheint daher, dass der Kontakt des Virus mit der Nasenschleimhaut zu einem Tauziehen führt“, erklärt der Studienautor. „Es geht also um die Frage, wer daraus als Sieger hervorgeht.“

Eigenschaften verändern sich mit dem Alter

Besonders interessant: Die Daten der Wissenschaftler weisen darauf hin, dass sich die Eigenschaften der beteiligten Rezeptoren, Proteine und Enzyme im menschlichen Nasengewebe mit dem Alter verschieben. „Das könnte ein Grund dafür sein, wieso ältere Menschen für eine Infektion mit SARS-CoV-2 anfälliger sind“, so Bansal.

Ob das tatsächlich zutrifft und worin die Auswirkungen der identifizierten „Corona-Hotspots“ im Körper bestehen, muss jetzt weitere Forschung zeigen. Mehr über die potenziell vom Coronavirus betroffenen Organe zu lernen, hält das Forscherteam jedoch für elementar. Denn: „Sars-CoV-2 infiziert nicht nur die Atemwege, sondern hat das Potenzial, viele andere Organe im Körper zu beeinträchtigen. Selbst wenn das Virus zuerst das Atmungssystem infiziert, ist es wichtig, vorhersagen zu können, wohin es als nächstes gehen könnte“, erklärt der Tübinger Studienautor. Dies helfe, künftig Therapien gegen Covid-19 zu entwickeln.

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