Forscher rechnet 3 Szenarien vor, wenn der Lockdown vor Weihnachten endet

Weihnachten mit Freunden und Familie feiern als gäbe es kein Corona – das würden wir uns alle wünschen. Forscher der Uni Saarland haben ausgerechnet, wie sich Lockerungen über Weihnachten auf das Infektionsgeschehen auswirken und uns im Kampf gegen Corona zurückwerfen könnten.

Seit Anfang November befindet sich Deutschland im Teil-Lockdown. Auch wenn die bisherigen Maßnahmen bewirkt haben, dass das Infektionsgeschehen nicht mehr sprunghaft ansteigt, sind die Anzahl der Neuinfektion nach wie vor hoch – viel zu hoch.

Deshalb wollen Bund und Länder die Regeln im Dezember noch einmal verschärfen, um dann an Weihnachten ein paar Lockerungen zu ermöglichen.

Zehn Personen aus verschiedenen Haushalten ab Weihnachten

Was die Kontaktbeschränkungen angeht, gilt derzeit die Vorgabe, dass sich maximal zehn Personen aus maximal zwei Hausständen im Privaten oder öffentlichen Raum treffen dürfen.

Laut bisherigem Plan von Bund und Ländern dürften sich über die Feiertage zwar auch nur bis zu zehn Personen im privaten Raum treffen, aber nicht nur aus zwei, sondern aus mehreren Haushalten. Da Kinder bis zu 14 Jahren von der Regel ausgenommen sein sollen, kann also die zusammenkommende Personengruppe deutlich größere Dimensionen annehmen.

Sollte dieser Beschluss bestätigt werden, bedeutet dies, dass wir Weihnachten nicht auf Freunde und Familie verzichten müssen – soweit die gute Nachricht. Doch es bedeutet auch, dass die Zahl der Infektionen zwangsläufig nach Weihnachten zunehmen wird.

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Covid-Simulator berechnet Infektionsgeschehen der nächsten Wochen

Davon geht auch Thorsten Lehr, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes, aus. „Wir wissen, das Weihnachten ein wunderbares Fest ist, um Influenza zu verbreiten“, erklärt der Forscher gegenüber FOCUS Online. Deshalb könne man von einer ähnlichen Situation mit Corona ausgehen.

Um zu berechnen, wie sich Kontaktbeschränkungen und andere Maßnahmen auf das Infektionsgeschehen auswirken, haben er und seine Kollegen einen Covid-Simulator entwickelt. Dieser kann anhand eines mathematischen Modells das Infektionsgeschehen der nächsten Wochen im gesamten Bundesgebiet hochrechnen. Das heißt, wie sich Infektionszahlen inklusive Krankenhausbelegung, Intensivstationen, Beatmung, Todesraten verändern und wie sie sich durch Maßnahmen wie Kontaktverbote senken lassen.

Als Grundlage dafür dienen unter anderem die Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI), der Gesundheitsämter sowie klinische Daten von mehr als 10.000 hospitalisierten Covid-19-Patienten aus mehr als 100 Kliniken in Deutschland.

Jetzige Maßnahmen reichen nicht aus, um die Inzidenz zu senken

Sollten also die Lockerungen an Weihnachten kommen, hat Lehr anhand des Rechners simuliert, wie sich die Zunahme von Kontakten auf die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland tatsächlich auswirken könnte – also auf die Anzahl der Infektionen pro 100.000 Einwohner. Sie liegt am Mittwoch laut RKI in der Bundesrepublik bei 142 Fällen pro 100.000 Einwohnern.

Für seine Berechnungen braucht Lehr außerdem den R-Wert. Dieser wiederum drückt aus, wie viele Menschen eine infizierte Person im Durchschnitt ansteckt.

Thorsten Lehr Dieses Chart zeigt, wie sich die Sieben-Tage-Inzidenz mit unterschiedlichen R-Werten entwickelt, bei einer Lockerung über Weihnachten

Würden wir den Lockdown wie bisher im Dezember weiterführen, lägen wir laut Covid-Simulator an Weihnachten bei einer 7-Tage-Inzidenz von 120. Die jetzigen Maßnahmen führen also zu einer langsamen Absenkung der Infektionszahlen.

Eine dreitägige Lockerung über Weihnachten würde dann aber bei einem R-Wert von beispielsweise 1,5 zu einem Anstieg der 7-Tage-Inzidenz auf 140 bis Ende Januar führen. Ein Rückfall also auf das jetzige Niveau.

R-Wert sinkt nicht Mal unter 50, wenn weiter Kontaktverschärfung erfolgt

"Derzeit sehen wir einen R-Wert von 0,97, der bei Fortsetzungen der derzeitigen Maßnahmen dazu führt, dass die 7-Tage-Inzidenz bis zum 26. November leicht nach unten geht", erklärt Lehr.

Um jedoch eine weitere Senkung dieses Werts zu erreichen, müssten die Kontakte laut Lehrs Berechnungen mindestens nochmal um 20 Prozent reduziert werden, damit wir bis Ende Dezember überhaupt auf einen Inzidenzwert von 60 auf 100.000 kämen. Die kritische Marke von 50, werde dadurch also noch nicht unterschritten, so Lehr.

Thorsten Lehr Das Chart zeigt, wie sich durch Lockerungen bedingte unterschiedliche R-Werte auf die 7-Tage-Inzidenz auswirkt

Drei Szenarien, wenn Lockerungen über Weihnachten kommen

Angenommen wir schaffen es, durch eine Verschärfung der Maßnahmen auf einen Inzidenzwert von 60 auf 100.000 bis zum 20. Dezember zu kommen, berechnet der Covid-Simulator bei Lockerungen kurz vor Weihnachten folgende Szenarien:

Von diesem Horror-Szenario geht Lehr allerdings nicht aus. „Ich persönlich denke, dass wir über Weihnachten bis Neujahr einen R-Wert von weniger als 1,5, aber über 1,1 erreichen, wenn es zu Lockerungen kommt.“ Aber alles hänge sowieso von der Disziplin aller Mitmenschen ab.

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