Herzrhythmusstörungen: Alkohol erhöht Risiko für Vorhofflimmern – Heilpraxis

Alkoholkonsum kann Herzrhythmusstörung auslösen

Der Deutschen Herzstiftung zufolge haben rund zwei Millionen Menschen in Deutschland Vorhofflimmern. Eine Studie hat nun gezeigt, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Risiko für diese Herzrhythmusstörung erhöht, und zwar auch bei gesunden Menschen ohne Vorerkrankungen.

Vorhofflimmern ist eine ernst zu nehmende Herzrhythmusstörung, die unbemerkt und unbehandelt lebensbedrohlich werden kann. Die Ursachen für Vorhofflimmern lassen sich laut Fachleuten nicht immer eindeutig klären. Als häufigste Risikofaktoren finden sich neben höherem Alter vor allem Bluthochdruck und verschiedene Herzerkrankungen, erklärt die Deutsche Herzstiftung auf ihrer Webseite. Und auch der Konsum von Alkohol stellt ein Risiko dar.

Erhöhtes Risiko auch bei Gesunden

Eine aktuelle Studie des Universitären Herz- und Gefäßzentrums am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigt, dass regelmäßiger Alkoholkonsum das Risiko für Vorhofflimmern erhöht, und zwar auch bei gesunden Menschen ohne Vorerkrankungen.

„Dass übermäßiger Alkoholkonsum dem Herzen schadet, ist zwar längst bekannt“, erklärt der Kardiologe Prof. Dr. med. Andreas Götte vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt der Medizinischen Klinik II: Kardiologie und internistische Intensivmedizin am St. Vincenz-Krankenhaus Paderborn, in einer Mitteilung.

Doch diese neue, im „European Heart Journal“ veröffentlichte Studie zeige, so Götte, dass das Organ schon bei einem kleinen Glas Wein oder Bier am Tag aus dem Takt kommen könne.

„Mit der neuen Studie müssen wir erkennen, dass auch schon kleine Mengen Alkohol das Flimmern auslösen können“, sagt der Spezialist für Herzrhythmusstörungen.

Kleines Glas Wein am Tag kann Folgen haben

Für die Studie werteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler um die Studienleiterin Dr. Dora Csengeri vom UKE die Daten von über 100.000 Menschen aus, die nie zuvor unter Vorhofflimmern gelitten hatten.

Mehr als 5.800 der Teilnehmenden entwickelten im Studienzeitraum von 14 Jahren erstmalig Vorhofflimmern. Dabei war das Risiko, die Herzrhythmusstörung zu bekommen, umso höher, je mehr Alkohol die Probandinnen beziehungsweise Probanden regelmäßig konsumierten.

So steigerten 12 Gramm Alkohol am Tag – entsprechend einem kleinen Glas Wein oder Bier – die Wahrscheinlichkeit um 16 Prozent im Vergleich zu den abstinenten Teilnehmenden. Und bei bis zu zwei Drinks täglich lag das Risiko, Vorhofflimmern zu entwickeln, bereits um 28 Prozent höher.

„Es gibt einen signifikanten Zusammenhang zwischen bereits geringem Alkoholkonsum und einem erhöhten Risiko für Vorhofflimmern“, so Csengeri. Das Fazit der Medizinerin und Wissenschaftlerin: „In Bezug auf Vorhofflimmern muss man vom regelmäßigen Konsum selbst kleiner Mengen abraten.“

Bei Vorhofflimmern Alkohol meiden oder reduzieren

Die Auffassung, ein regelmäßiger Konsum kleiner Mengen Alkohol schade nicht oder könne sogar das Herz schützen, ist weit verbreitet. Das gelte aber keinesfalls für Vorhofflimmern, betont die Herzspezialistin Dr. Csengeri.

Daher sollten Betroffene, die bereits unter Vorhofflimmern leiden, Alkohol meiden oder den Konsum stark reduzieren. Für alle anderen Menschen gilt: Gegen ein gelegentlich konsumiertes Gläschen Wein oder Bier ist nichts einzuwenden.

Doch: „Wer regelmäßig trinkt – und sei es auch nur ein Gläschen – erhöht sein Risiko, Vorhofflimmern zu entwickeln, deutlich”, sagt Prof. Götte. Dies gelte auch für Personen, die noch nie unter Vorhofflimmern gelitten haben.

Erhöhtes Schlaganfallrisiko

In Deutschland leiden bis zu zwei Millionen Menschen an Vorhofflimmern – viele davon, ohne es zu wissen. Herzstolpern und ein schneller Herzschlag sind erste Hinweise auf diese Herzrhythmusstörung. Das Risiko für die gefährliche Herzerkrankung steigt mit zunehmendem Alter.

Das Flimmern der Vorhöfe ist zwar nicht unmittelbar lebensbedrohlich, es kann jedoch je nach Schwere der Symptome mit einem hohen Leidensdruck verbunden sein.

Dennoch gilt die Herzrhythmusstörung keinesfalls als harmlos, denn unentdeckt und unbehandelt erhöht das Flimmern der Vorhöfe die Bildung von Blutgerinnseln, die über die Blutbahn das Risiko für Thromboembolien und Schlaganfall erhöhen. (ad)

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