„Höllenhund“-Anteil vervierfacht: Was ihr zur Omikron-Sublinie BQ.1.1 wissen müsst

Der Anteil von BQ.1.1 hat sich in nur einem Monat vervierfacht. Das berichtet das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem aktuellen Wochenbericht. Das steckt hinter der auch „Höllenhund“ genannten Variante.

Wie von Experten vorhergesehen, steigt die Zahl der Corona-Fälle mit BQ.1.1 in Deutschland merklich an. Der Anteil der Omikron-Sublinie, auch „Höllenhund“-Variante genannt, liegt nach neuen RKI-Angaben bei mehr als acht Prozent, „was einer Vervierfachung des Anteils in den letzten vier Wochen entspricht“, heißt es im aktuellen Wochenbericht. Demnach sind die drei vorherrschenden Varianten derzeit die Omikron-Sublinien

  • BF.7 mit einem Anteil von 23 Prozent (Vorwoche 22,1 und Vorwoche 19,3 Prozent),
  • BA.5.2 mit einem Anteil von 11,1 Prozent (Vorwoche 13,7 und Vorwoche 15,6 Prozent) und
  • BQ.1.1 mit einem Anteil von 8,4 Prozent (Vorwoche 5,6 und Vorwoche 3,3 Prozent).

Tatsächlich dürfte der Anteil von BQ.1.1 noch deutlich höher liegen. Denn die RKI-Daten beziehen sich auf die vorvergangene Woche. Aktueller sind die Daten aus dem Corona-Tool von Moritz Gerstung. Der Professor vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg forscht zur Evolution von Tumorzellen und widmet sich Sars-CoV-2 in einem Nebenprojekt. Nach seinen Berechnungen macht der Anteil von BQ.1.1 in Deutschland derzeit bereits 19,6 Prozent aus. Tendenz klar steigend.

Was Sie zur Omikron-Sublinie BQ.1.1 wissen müssen

BQ.1 und BQ.1.1 sind Abkömmlinge von BA.5 – der Omikron-Variante, die seit Monaten für das Gros der Ansteckungen hierzulande sorgt. Beide dürften nach Modellierungen der europäischen Seuchenschutzbehörde ECDC zu Beginn von 2023 mehr als 80 Prozent der Fälle verursachen.

Was Experten alarmiert

Ersten Erkenntnissen zufolge können diese Erreger der Immunantwort von Menschen, die geimpft und/oder genesen sind, besser entgehen als ihre Vorgänger. „BQ.1.1 hat fünf neue Mutationen, die mit Antikörper-Escape assoziiert werden“, erklärte auch Virologe Friedemann Weber auf Nachfrage von FOCUS online. Das bedeutet, die Variante kann dem Immunsystem teilweise entkommen. Sie birgt das Potenzial, die Winterwelle zu beherrschen.

Der Blick in die Nachbarländer könnte erste Hinweise geben: In Frankreich macht BQ.1.1 nach Gerstungs Berechnungen bereits 65, in Dänemark mehr als 31 Prozent aus.

Die gute Nachricht zu BQ.1.1

Bisher gibt es Fachleuten zufolge keine Anzeichen, dass der „Höllenhund“ Programm ist. Eine erhöhte Krankheitslast wird bisher nicht beobachtet. Auch der Blick nach Frankreich oder Dänemark untermauert diese Einschätzung.

Der Grund: „Auch wenn BQ.1.1 eine gewisse Immunflucht hat, es kann der Immunität nie ganz entkommen“, erklärte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie der Deutschen Presse-Agentur bereits vor einigen Wochen. Neben den Antikörpern verfügt das Immunsystem noch über T-Zellen, die wichtig sind für den Schutz vor schwerer Erkrankung. Watzl zufolge sehen die verschiedenen Omikron-Sublinien für sie noch zum Großteil so aus wie das Ursprungsvirus.

BQ.1.1 breitet sich weiter aus – was das für Ihre Corona-Impfung bedeutet

Wer mit den ursprünglichen Corona-Impfstoffen geimpft sei oder eine Infektion mit Varianten vor Omikron durchgemacht habe, sei vor einer Ansteckung mit BQ.1.1 noch schlechter geschützt als vor einer Infektion mit BA.5, schilderte Watzl. Die meisten Antikörper würden nicht mehr an das Spike-Protein von BQ.1.1 binden.

Bei Menschen mit einem der neuen angepassten Booster oder Omikron-Durchbruchinfektion – idealerweise BA.5 – erwartet der Immunologe aber einen „gewissen Schutz“. Auch wenn die Namen anders klingen: BQ.1 und BQ.1.1 stammen von Nachkommen von BA.5 ab. „Aber man hat sich darauf geeinigt, dass es nicht mehr als drei Zahlen hinter dem Buchstaben geben soll. Daher wurde der Buchstabe von BA nach BQ geändert“, erläuterte Watzl.

Darum heißt BQ.1.1 so

Benannt werden neue Corona-Varianten nach den Regeln der Pango-Nomenklatur, welche 2020 zur Nachverfolgung dieser aufgebaut wurde. Ausgehend von zwei Varianten (A und B) werden deren Untervarianten mit Zahlen bezeichnet. Damit diese Bezeichnungen aber nicht zu unübersichtlich werden, wird nach der dritten Zahl anstatt der vierten ein Buchstabe verwendet, in diesem Fall „Q“. Der Alternativ-Name für BQ.1.1 wäre ansonsten nämlich folgender: B.1.1.529.5.3.1.1.1.1.1.1.

Das steckt hinter dem Namen „Höllenhund“

Der inoffizielle Variantenname von BQ.1.1 ist Cerberus, der Höllenhund in der griechischen Mythologie. Andere der zahlreichen Omikron-Sublinien haben ebenfalls derartige Spitznamen: wie Gryphon oder Mimas. Einfach ist es nicht, den Überblick in dem Schwarm der Sublinien zu behalten. Watzl schlug vor, für die Varianten, die vorherrschend werden, offizielle und einfachere Namen als BA.1, BA.2, BA.5 oder BQ.1.1 zu finden. Aber: „Höllenhund ist sicherlich kein geeigneter Name.“

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