Ist Covid-19 außer Kontrolle? Die wichtigsten Antworten zum Corona-Ausbruch

Die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Virus Covid-19 ist in Italien über das Wochenende deutlich gestiegen. In Europa ist das Land mit 219 Erkrankten am schwersten betroffen. China meldet mehr Tote als je zuvor an einem Tag. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Covid-19.

Was sind die Symptome von Covid-19?

Das Virus gehört zur Familie der Coronaviren, einer Virengruppe, die Erkältungsbeschwerden bis hin zu Krankheiten mit schwerwiegenderem Verlauf wie Mers oder Sars auslöst.

Covid-19 verläuft den bisherigen Erkenntnissen zufolge in vielen Fällen mild und wird von Infizierten zum Teil gar nicht bemerkt, wie die WHO berichtet. Wesentlich seltener kann es aber auch schwere Erkrankungen wie eine Lungenentzündung auslösen. Auch eine Sepsis ist möglich. In der Folge kann es zu Nierenversagen, Multiorganversagen und zum Tod führen.

Symptome von Covid-19 gleichen denen einer Grippe und sind unter anderem:

  • Fieber
  • trockener Husten
  • Kurzatmigkeit
  • Atemnot
  • Abgeschlagenheit, Müdigkeit

Es wird vermutet, dass die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit bis zu 14 Tage betragen kann. Allerdings wurde kürzlich der Fall eines Mannes aus der Provinz Hubei bekannt, der 27 Tage lang keine Symptome gezeigt habe, bevor die Krankheit ausgebrochen war.

Wie gefährlich ist Covid-19?

Nach Angaben der WHO erholen sich 80 Prozent der Erkrankten ohne eine spezielle Therapie von Covid-19. Etwa einer von sechs Menschen werde ernsthaft krank und entwickele Atemschwierigkeiten.

Besonders ältere Menschen und Menschen mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck, Herzprobleme oder Diabetes zeigen laut WHO vermehrt schwere Krankheitsverläufe. Wie hoch die Mortalitätsrate bei Infizierten ist, ist nicht abschließend geklärt. Die WHO geht derzeit von zwei Prozent aus. Zum Vergleich: Bei einer Grippe liegt die Sterblichkeit eher bei 0,1 Prozent, bei Sars lag sie bei 10 Prozent, bei Mers sogar bei etwa 30 Prozent. 

Mehr zum Thema:Coronavirus-Ausbruch im News-Ticker – Lieferengpässe bei Schutzmasken – Zahl der Toten in China steigt sprunghaft an

Wie hoch ist das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland?

Das Robert-Koch-Institut (RKI) schätzt das Risiko für die Bevölkerung in Deutschland nach wie vor als gering ein – auch wenn es davon ausgeht, dass weitere Fälle nach Deutschland importiert werden. Auch weitere Übertragungen und Infektionsketten in Deutschland seien möglich.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten beurteilt das mit Covid-19 verbundenen Risiko für Menschen in der EU und Großbritannien als gering bis moderat.

Wie wird das Virus von Mensch zu Mensch übertragen?

Das Coronavirus wird durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten oder Niesen übertragen, ebenso durch eine Schmierinfektion. Zudem könnte das Virus auch fäkal-oral, also über das Verdauungssystem, weitergegeben werden. Das ist laut RKI allerdings noch nicht abschließend geklärt.

Können Menschen ohne Symptome Covid-19 weitergeben?

Offenbar ist das möglich. Laut WHO ist das Risiko, sich das Virus von einem Menschen einzufangen, der keine oder nur milde Symptome zeigt, gering, aber nicht ausgeschlossen.

Wie schützen Sie sich?

Auch der Schutz vor dem neuartigen Coronavirus gleicht dem bei einer Grippe. Es gibt zwar bisher keine Impfung, es können jedoch bereits einfache Hygienemaßnahmen helfen, wie

  • sich bewusst mehrmals am Tag die Hände zu waschen (20 Sekunden lang)
  • Hände zu desinfizieren, wenn Wasser und Seife gerade nicht greifbar sind
  • sich nicht mit ungewaschenen Händen ins Gesicht zu fassen
  • einen Abstand von einem Meter zu seinem Gegenüber einzuhalten

Um andere nicht anzustecken, sollten Sie die Husten- und Niesetikette beachten und sich beim Husten oder Niesen abwenden, wenn möglich in die Ellenbeuge niesen oder anschließend Hände waschen.

Generell gilt: Wer sich unwohl fühlt, sollte zuhause bleiben und bei anhaltenden Beschwerden oder dem Verdacht einer Infektion einen Arzt aufsuchen. Zudem: Wer noch nicht gegen Grippe geimpft ist, sollte die aktuelle Ausbreitung des Coronavirus zum Anlass nehmen, dies nachzuholen. Denn das kann Krankenhäuser entlasten, sollten auch in Deutschland vermehrt Coronafälle auftreten.

Wie wird Covid-19 diagnostiziert?

Wenn es die begründete Vermutung gibt, dass ein Mensch sich mit dem Coronavirus angesteckt hat, wird er getestet. Das geht mithilfe einer Methode, die sich Polymerase-Kettenreaktion nennt, und mit der der Erreger nachgewiesen werden kann.

Welche Therapiemöglichkeiten stehen derzeit zur Verfügung?

Eine ursächliche Therapie oder eine Impfung gibt es noch nicht. Forscher arbeiten weltweit mit Hochdruck an neuen Erkenntnissen und Entwicklungen diesbezüglich. Es gibt bereits klinische Studien, in denen mögliche Medikamente getestet werden.

Wie wurde das Virus auf den Menschen übertragen?

Es wird vermutet, dass Covid-19 von Wildtieren stammt. Von welchem Tier das Virus auf den Menschen übertragen wurde, ist jedoch bislang unklar. Als mögliche Überträger wurden Schlangen, Fledermäuse oder das Pangolin, ein Schuppentier, vermutet.

Die ersten Erkrankten sollen sich auf einem Markt in Wuhan Ende Dezember 2019 angesteckt haben.

Wie viele Infizierte gab es bisher in Deutschland?

In Deutschland sind 16 Fälle von Coronavirus-Infizierten bekannt geworden, der größte Teil davon in Bayern. Mittlerweile konnten 12 der ursprünglich 14 in bayerischen Krankenhäusern behandelten Covid-19-Patienten wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden. Alle 14 Corona-Fälle in Bayern standen im Zusammenhang mit dem Stockdorfer Autozulieferer Webasto. Eine chinesische Kollegin hatte den Erreger bei einer Dienstreise im Januar eingeschleppt. Dabei hatten sich einige Mitarbeiter angesteckt, teils infizierten sich auch Angehörige. 

Voraussetzung für eine Entlassung aus dem Krankenhaus sind unter anderem mehrere negative Tests auf das Virus. Die Kriterien hat das RKI festgelegt.

In welchen Ländern ist das Virus Covid-19 bereits aufgetreten?

Mehr als 79.000 Menschen haben sich weltweit mit dem Coronavirus angesteckt, die meisten (mehr als 77.000) in China. Diese Zahlen zeigt eine aktuelle Grafik der Johns Hopkins Universität in Baltimore, USA. Ähnliche Zahlen gibt auch die WHO an.

Neben China ist Covid-19 auch in mehr als zwei Dutzend weiteren Ländern angekommen:

  • Südkorea (833 bestätigte Fälle)
  • Italien (157)
  • Japan (147)
  • Singapur (89)
  • Hong Kong (74)
  • Iran (43)
  • Thailand (35)
  • US (35)
  • Taiwan (28)
  • Australien (22)
  • Malaysia (22)
  • Deutschland (16)
  • Vietnam (16)
  • Vereinigte Arabische Emirate (13)
  • UK (13)
  • Frankreich (12)
  • Macau (10)
  • Kanada (9)
  • Philippinen (3)
  • Indien (3)
  • Russland (2)
  • Spanien (2)
  • Libanon (1)
  • Nepal (1)
  • Kambodscha (1)
  • Israel (1)
  • Belgien (1)
  • Finnland (1)
  • Schweden (1)
  • Ägypten (1)
  • Sri Lanka (1)

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Ist eine Pandemie noch zu verhindern? 

"Eine Eindämmung in letzter Sekunde ist wohl auch mit allen verfügbaren Kräften nicht mehr erreichbar", sagte der Berliner Virologe Christian Drosten am Sonntag. Das wohl auf einem Wildtiermarkt in Wuhan auf den Menschen übergesprungene Virus spielt seinen Trumpf aus: Weil die meisten Infektionen mit Sars-CoV-2 mild verlaufen, sind sie kaum erfassbar.

Seine Eigenschaften ermöglichten Sars-CoV-2 eine unbemerkte Übertragung, erklärt Drosten. Wer nur milde oder keine Symptome hat, geht nicht zum Arzt und wird nicht getestet – kann das Virus aber auf Dutzende andere Menschen übertragen, die es wiederum in ihr Netz von Sozial- und Arbeitskontakten tragen. Nach einer Modellrechnung des Imperial College London würden geschätzt nur ein Drittel aller importierten Fälle aus China überhaupt wahrgenommen, so Drosten. "Ich glaube nicht mehr daran, dass eine Pandemie vermeidbar ist."

Ist der Höhepunkt bereits erreicht?

Chinesische Wissenschaftler veröffentlichten kürzlich einen ersten umfassenden Bericht zum Coronavirus. Die Forscher des Chinese Centre for Disease Control and Prevention (CCDC) stellten darin die Entwicklung der Seuche dar. Sie sortierten die Anzahl der Infektionen nach dem Datum, an welchem erste Symptome auftraten. Damit wollen sie den zeitlichen Verlauf der Epidemie abschätzen.

Der Bericht stellt den Ausbruch der Corona-Symptome in einer Kurve dar. Den Studienautoren zufolge erreichte diese ihren Höhepunkt um den 23. bis 26. Januar 2020. Daraufhin nahm die Kurve bis zum 11. Februar wieder ab. Die Daten erwecken den Anschein, dass das Corona-Virus seinen Wendepunkt bereits erreicht hat.

Der Münchner Mediziner Clemens Wendtner, bei dem einige der Coronapatienten in Deutschland in Behandlung waren, befürchtet hingegen, dass dieser Wendepunkt noch nicht erreicht ist. Dafür nennt er drei Gründe:

1. China hat Schwierigkeiten in der Nachweisdiagnostik

Zum einen bezweifelt er, dass das Virus in China, insbesondere in Hubei bei allen diagnostiziert wurde, die tatsächlich erkrankt sind. Chinesischen Berichten zufolge habe dort zeitweise die Verfügbarkeit der Nachweisdiagnostik abgenommen.

2. Viele Fälle werden nicht bestätigt

Auch in der Zählung und Bestätigung der Fälle sieht er eine mögliche Fehlerquelle: "Im Festland von China werden zudem vor allem jene Fälle gezählt, bei denen Patienten bereits Symptome von COVID-19 zeigen, ganz anders als die Empfehlung der WHO, wonach PCR-positive Fälle auch dann als bestätigt gezählt werden, selbst wenn der Patient (noch) keine Symptome zeigt."

3. Es gibt eine hohe Dunkelziffer

Außerdem befürchtet Wendtner eine hohe Dunkelziffer der COVID-19-Patienten in der Region Hubei. Er geht davon aus, dass Menschen, die sich krank fühlen, nicht sofort einen Mediziner aufsuchen würden: "Wer geht denn jetzt noch ins Krankenhaus zum Arzt, wenn er Angst hat, unter Quarantäne steht und die Wohnung ohnehin nur schwer verlassen kann?"

Aktuell relevanten, wissenschaftlich Informationen zum Thema sind über die Website des Robert Koch Instituts auffindbar und frei zugänglich.

 

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