Sichere orale Tumortherapie dank Apotheker:innen

Neue orale Tumortherapeutika wie Tyrosinkinasehemmer sind meist besser verträglich als klassische Zytostatika und zudem für Patienten einfacher anzuwenden. Schlechte Adhärenz und Einnahmefehler können jedoch den Therapieerfolg und die Nebenwirkungsrate stark beeinflussen. Ob die Sicherheit von Behandlungen mit neuen oralen Zyto­statika durch eine intensivierte pharmazeutische Betreuung der Patienten erhöht werden kann, hat eine Arbeitsgruppe der Universität Erlangen untersucht.

In der AMBORA-Studie wurden knapp 200 Patienten, bei denen eine Krebstherapie mit einem nach 2001 zugelassenen oralen Zytostatikum begonnen wurde, über zwölf Wochen begleitet. Eine Hälfte der Patienten wurde nach dem aktuellen Standard für die jeweilige Tumorart mit regelmäßigen ambulanten Terminen und routine­mäßigem Monitoring betreut. Interventionen oder Beratungen zu arzneimittelbezogenen Problemen wurden in dieser Kontrollgruppe nur durchgeführt, wenn es ethisch erforderlich war.

Die andere Hälfte der Patienten erhielt eine intensivierte Betreuung mit mündlichen und schriftlichen Patienteninformationen sowie vier zusätzlichen Beratungsgesprächen in Woche 0, 1, 4 und 12, die von klinischen Pharmakologen und klinischen Pharmazeuten mit Erfahrung in der Hämatologie und Onkologie durchgeführt wurden. Diese behandelten die Themen: Medikationsmanagement, Beratung und Schulung, Vermeidung von und Umgang mit Nebenwirkungen und Adhärenzberatung. Zusätzlich wurden patientengerechte Faktenblätter zu häufigen Nebenwirkungen und Selbstmanagement ausgehändigt.

Weniger Nebenwirkungen

Der Fokus der Studie lag auf der Zahl der arzneimittelbezogenen Probleme, also der aufgetretenen Nebenwirkungen und ungelösten Anwendungsfehler. In der Interventionsgruppe wurden davon pro Patient signifikant ­weniger gemeldet als in der Kontrollgruppe (3,85 vs. 5,81). Insgesamt traten bei der Gruppe mit der intensivierten Beratung 30 Prozent weniger Nebenwirkungen und 90 Prozent weniger Einnahmefehler auf. Die vorgeschlagenen Interventionen wurden zu 98 Prozent von den Patienten angenommen und umgesetzt. Die zusätzliche Betreuung verringerte sowohl die schweren Nebenwirkungen der Gesamtmedikation als auch die der oralen Zytostatika signifikant um 56 Prozent bzw. 65 Prozent. Pro Woche traten durchschnittlich 0,37 Zytostatika-Nebenwirkungen in der Interventionsgruppe und 0,60 Nebenwirkungen in der Kontrollgruppe auf. Besonders ausgeprägt waren die Unterschiede bei folgenden Nebenwirkungen: verminderte Neutrophilenzahl, Bluthochdruck, verringerte Lymphozytenzahl und orale Mukositis. Schwere Nebenwirkungen, Therapieabbrüche, ungeplante Krankenhausaufenthalte und Todesfälle waren in der Interventionsgruppe um 52 Prozent seltener.

Zufriedene Patienten

Die Zufriedenheit der Patienten mit der Therapie wurde über einen Fragebogen erhoben und war nach zwölf Wochen in der Interventionsgruppe signifikant höher (91,6 vs. 74,4). Die Bereiche Wirksamkeit, Nebenwirkungen und allgemeine Zufriedenheit wurden signifikant besser ­bewertet als in der Kontrollgruppe. Die Zufriedenheit mit den erhaltenen Informationen zur Medikation lag in Woche 0, 4 und 12 höher, und auch die von den Patienten selbst berichtete Therapieadhärenz war in Woche 4 und 12 besser als in der Gruppe mit Standardbetreuung.

Die Ergebnisse der AMBORA-Studie zeigen eindrucksvoll, wie eine bessere Beratung die Sicherheit von Therapien mit hohem Nebenwirkungspotenzial erhöhen kann. Die selbstständige Einnahme oraler Zytostatika ist ein Vorteil für die Lebensqualität der Patienten, verringert aber auch die Kontakte mit dem Behandlungsteam und kann dazu führen, dass Einnahmefehler und Nebenwirkungen erst verspätet erkannt und korrigiert werden. Eine intensive Betreuung durch pharmakologisches und pharmazeutisches Fachpersonal kann schwere Nebenwirkungen und Krankenhauseinweisungen verringern und gleichzeitig die Therapiezufriedenheit steigern.


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