Trauriger Rekord bei Neuinfektionen: Was die Zahlen wirklich über Corona-Lage im Land verraten

Auch in Deutschland sorgt Omikron für rasant steigende Infektionszahlen. Noch herrscht hierzulande zwar die Delta-Variante des Corona-Virus vor, aber das könnte sich schnell drehen. In Frankreich kann man derzeit beobachten, wie Omikron wütet.

Omikron schlägt bereits mit aller Macht zu: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat einen neuen Höchstwert erreicht. Das Robert-Koch-Institut (RKI) registrierte 80.430 neue Fälle innerhalb eines Tages, 21.518 mehr als eine Woche zuvor. Der bisherige Rekord waren 65.371 Neuinfektionen am 18. November.

Doch dieser traurige Rekord könnte auch den Verzögerungen in der Meldekette zwischen RKI und Gesundheitsämtern geschuldet sein. Wer etwa, wie „Die Zeit“, direkt bei den Städten und Landkreisen recherchiert, kommt „nur“ auf 58.710 neue Corona-Infektionen (+14.463). Doch auch dies wäre ein steiler Anstieg der Infektionskurve.

Der R-Wert, der angibt, wie viele Menschen durch einen Infizierten durchschnittlich angesteckt werden, liegt seit Weihnachten wieder über eins. Zuletzt war er zwar rückläufig, doch ebenso waren auch laut RKI die PCR-Testungen rückläufig. Wenn die Inzidenz aber trotz geringerer Tests ansteigt, spricht das für eine hohe Dunkelziffer an Infizierten.

Die Hoffnung, dass die Omikron-Variante zwar ansteckender, aber weniger gefährlich ist, nährt sich derzeit aus den weiter rückläufigen Krankenhaus-Einweisungen. Seit Ende November sinkt die Hospitalisierungsrate (s. Grafik).

Auch auf den Intensivstationen spiegelt sich die Omikron-Welle bislang nicht wider. Die Zahl der Corona-Patienten ging dort seit Mitte Dezember kontinuierlich zurück, auf zuletzt knapp 3200. Zum Vergleich: Am Höhepunkt der 2. Welle waren es mehr als 5700 gewesen. Allerdings erwarten Experten, dass mit deutlich zunehmenden Infektionszahlen auch die Belastung in den Kliniken steigt. RKI

In Deutschland herrscht derzeit noch die Delta-Variante des Corona-Virus vor. Doch Omikron gewinnt an Boden. Derzeit sind Hospitalisierung und Intensivbetten-Belegung noch rückläufig.

Wo steht Deutschland nun? Mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von knapp 410 steht Deutschland im Vergleich mit den anderen beiden großen Industrie-Nationen der EU noch gut da: In Frankreich liegt die Inzidenz bei knapp 2950, in Italien bei 2000.

Schwerer zu interpretieren sind jedoch die Daten zur Belegung der Intensivbetten: Während

  • hierzulande derzeit rund 3200 Corona-Patienten in den Intensivstationen liegen, sind es
  • in Italien nur 1700,
  • in Frankreich hingegen 4000.

In beiden Länder leben mit je rund 60 Millionen Einwohnern etwa ein Viertel weniger Menschen als in Deutschland. Die italienischen und französischen Zahlen sind also etwas höher zu gewichten. In Deutschland scheinen demnach Corona-Patienten also auch bei einer niedrigeren Inzidenz eher auf die Intensivstation zu kommen als in Frankreich oder Italien.

Allerdings beherrscht in Deutschland noch die Delta-Mutation das Infektionsgeschehen zu rund 80 Prozent. Doch auch in Italien beträgt der Delta-Anteil noch etwa 70 Prozent. Dies würde (könnte?) dafür sprechen, dass deutsche Klinikärzte ihre Corona-Patienten schneller auf die Intensivstationen verlegen als ihre italienischen Kollegen. Zumal in Italien der Altersdurchschnitt sogar noch höher als in Deutschland liegt.

Eine andere Situation liegt jedoch in Frankreich vor: Hier dominiert schon Omikron zu 80 Prozent die Corona-Infektionen. Dies könnte auch für Deutschland und Italien ein Warnsignal sein. Für Omikron prognostizieren die Wissenschaftler zwar einen milderen Krankheitsverlauf, aber bei einer explosionsartigen Verbreitung könnten auch hier letzten Endes die Krankenhäuser an ihre Belastungsgrenze kommen.

Nochmals der Vergleich zwischen Deutschland/Delta, Italien/Delta und Frankreich/Omikron:

  • In Frankreich infizierten sich in der letzten Woche durchschnittlich etwa 280.000 Menschen pro Tag – bei einer Impfquote von 75 Prozent.
  • In Italien sind es zuletzt 170.000 neue Infizierte pro Tag bei einer Impfquote von 75 Prozent.
  • In Deutschland nur 49.000 bei einer Impfquote von 72 Prozent.

Auch wenn man berücksichtigt, dass Italien und Frankreich wesentlich mehr Corona-Tests zum Einsatz bringen und dadurch auch auf mehr positive Test-Ergebnisse kommen, zeigt der Vergleich, dass das Omikron-Land Frankreich nun in eine gefährliche Phase kommen könnte. Zwar ist der Wert der Intensivbetten-Belegungen in Frankreich noch etwa ein Drittel niedriger als zum Höhepunkt der letzten Frühjahrswelle mit bis zu 6000 Intensivpatienten. Aber der enorme Anstieg der Neuinfektionen der letzten Tage kommt erst mit ein bis zwei Wochen Verspätung in den Krankenhäusern und vor allem auf den Intensivstationen an.

Die Situation könnte sich also für Frankreichs Gesundheitssystem gefährlich zuspitzen. Kein Wunder, warum Frankreichs Staatspräsident zuletzt wegen der niedrigen Impfquote „pissed off“ war: Laut „Le Monde“ liegen auf französischen Intensivstationen 17 mal mehr ungeimpfte als geimpfte Covid-Patienten.

Für die deutschen Corona-Experten und die Bundesregierung ist es nun wichtig, die Lage jenseits des Rheins genau zu beobachten: Denn die französischen Verhältnisse blühen in wenigen Wochen auch uns. Und ebenso den Italienern – doch in Rom hat man anders als in Berlin schon eine Impfpflicht als Schutzwall gegen Omikron beschlossen.

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