Wenn wir in dem Tempo weiter impfen, brauchen wir mehr als 10 Jahre für alle Deutschen

Die Impfungen haben begonnen, doch die Impfquoten sind noch sehr gering. An den ersten zwei Tagen wurden in Deutschland lediglich rund 42.000 Menschen geimpft. Das muss künftig schneller gehen – denn wenn Deutschland in diesem Tempo weiter macht, braucht es für alle Einwohner mehr als 3000 Tage.

Am Wochenende starteten in Deutschland die ersten Corona-Impfungen. Mit rund 23.000 Geimpften am Sonntag und 19.000 am Montag wurden nach aktuellen RKI-Daten bislang 42.000 Menschen in Deutschland geimpft.

Am meisten Impfungen wurden in Nordrhein-Westfalen durchgeführt, dort liegt die Zahl aktuell bei 7136 Geimpften. An zweiter Stelle folgt Bayern mit 5219 Impfungen, an dritter Baden-Württemberg mit 4721 Impfungen.

RKI/Datawrapper/FOL

Israel impfte bereits mehr als zehn mal so viel Menschen pro Tag wie Deutschland

Dass diese Zahlen auf die gesamte Bevölkerung gesehen noch sehr gering sind, zeigt ein Blick in andere Länder. Spitzenreiter in Sachen Impfen ist Israel. Das Land entschloss sich zu einer rasanten Impfstrategie, impfte etwa am Montag mehr als 100.000 Menschen. Insgesamt sind schon mehr als eine halbe Million Menschen geimpft, mehr als fünf Prozent der Gesamtbevölkerung und mehr als 25 Prozent der über 60-Jährigen.

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Damit will das 9 Millionen Einwohner große Land das Coronavirus bereits in wenigen Wochen „hinter sich lassen“, wie Premier Benjamin Netanyahu verkündete. „In einem Monat werden wir alle Bürger über 60 und medizinisches Personal impfen. Wenn wir das geschafft haben, können wir nach weiteren 30 Tagen das Virus hinter uns lassen, die Wirtschaft öffnen und Dinge tun, die kein anderes Land tun kann.“

Impfungen würden bei aktuellem Tempo mehr als 10 Jahre dauern

In Deutschland wird es bis dahin wohl noch dauern. Denn bleibt die tägliche Impfquote auf dem aktuellen Niveau, impft das Land im Schnitt etwa 21.000 Menschen pro Tag, würde es ganze 3809 Tage dauern, bis die Gesamtbevölkerung von 80 Millionen Menschen geimpft wäre. Das entspricht mehr als zehn Jahren.

Würden wir in Israels Tempo vorgehen, also pro Tag etwa 100.000 Menschen impfen, würde sich die Zeit immerhin auf 800 Tage verkürzen – immer noch mehr als zwei Jahre.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte vergangene Woche, man werde voraussichtlich bis Sommer jedem in Deutschland ein Impfangebot machen können. Er konkretisierte diese Zeitspanne zwar nicht weiter, ebenso wenig, ob damit alle Deutschen bereits bis zum Sommer geimpft werden könnten, oder lediglich einen Termin erhalten würden.

Einmal angenommen, es würden bis Ende Juni alle 80 Millionen Deutschen ein solches Impfangebot erhalten und bis dahin auch tatsächlich geimpft würden, müssten die täglichen Impfquoten bei über 400.000 pro Tag liegen.

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Tatsächlich wollen sich nach aktuellen Umfrageergebnissen jedoch gar nicht alle Deutschen impfen lassen – sondern nur etwa zwei Drittel. In einer Erhebung des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur gaben 32 Prozent an, sich so schnell wie möglich immunisieren lassen zu wollen. Weitere 33 Prozent sind zwar ebenfalls dazu entschlossen, wollen aber trotzdem erst einmal mögliche Folgen der Impfung bei anderen abwarten. 19 Prozent haben sich gegen eine Impfung entschieden, 16 Prozent sind noch unentschlossen.

Um diese rund 65 Prozent der Deutschen, also etwa 52 Millionen zu impfen, würden wir bei aktuellem Tempo 2476 Tage benötigen  – also beinahe sieben Jahre.

Deutschland hat nicht genug Impfdosen zur Verfügung

Dass Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern langsamer ist, liegt nicht nur an der hiesigen Bevölkerungsdichte, die es zu impfen gilt. Das Land hat mit maximal vier Millionen Dosen bis Ende Januar außerdem vorerst weniger Impfstoff zur Verfügung, als etwa Israel mit mehr als fünf Millionen.

Um künftig mehr und schneller impfen zu können, gab die EU am Dienstag bekannt, weitere 100 Millionen Impfdosen beim Hersteller Biontech/Pfizer bestellt zu haben. In England erhielt nun auch der Impfstoff von Astrazeneca eine Zulassung – sollte dieser bald auch in der EU angewendet werden, könnten auch hierzulande weitere Menschen geimpft werden: Über die Europäische Union hat Deutschland 56,2 Millionen Impfdosen bei AstraZeneca geordert.

In der EU ist der Impfstoff allerdings noch nicht zugelassen. Und das wird auch noch dauern. Die zuständige Behörde EMA gab kürzlich bekannt, dass das Unternehmen AstraZeneca bisher noch nicht einmal einen Prüfantrag gestellt habe.

Herdenimmunität tritt schon bei 60 bis 70 Prozent Immunität ein

Von Herdenimmunität sprechen Experten jedoch bereits, wenn etwa 60 bis 70 Prozent einer Bevölkerung immun sind. Diese kann durch eine überstandene Infektion erreicht werden, genauso wie durch eine Impfung. Damit müssten in Deutschland, abzüglich der bereits Genesenen 1,3 Millionen und der weiteren 40 bis 30 Prozent also lediglich 47 bis 56 Millionen Menschen geimpft sein, um hierzulande eine Herdenimmunität zu erzielen. Dafür würden wir beim gegenwärtigen Tempo nur 2238 bis 2666 Tage, also „nur“ 6 bis 7,5 Jahre benötigen – immerhin.

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