Schaut auf die Uhr! Millionen Deutsche schlucken Blutdrucksenker zur falschen Zeit

Weil der Blutdruck am frühen Morgen besonders hoch ist, raten Ärzte zur Einnahme der senkenden Medikamente beim Frühstück. Für viele Patienten ist das genau die falsche Zeit, um ihr Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall zu verringern.

Diuretika, ACE-Hemmer oder Sartine – die Wirkstoffe gegen hohen Blutdruck gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten in Deutschland. Um bis zu 50 Prozent sinkt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall, wenn der Blutdruck dauerhaft auf unter 140/90 gesenkt wird. Der Idealwert liegt bei 120/80.

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Ärzte raten meist zur Einnahme am Morgen

Um gesunde Werte zu erreichen, müssen Hochdruck-Patienten (Hypertoniker) meist nur einmal täglich eine Tablette schlucken, und die meisten nehmen sie gleich morgens. Dazu raten auch die Ärzte, da der Blutdruck in den Morgenstunden besonders hoch ist. Diese Empfehlung ist möglicherweise falsch.

Eine große Studie aus Spanien kam nämlich zu dem Schluss, dass Blutdruckpillen besser wirken, wenn sie abends, am besten vor dem Schlafengehen, eingenommen werden.

Die Forscher um Studienleiter Ramón Hermida von der Universität von Vigo gehen davon aus, dass es mit der inneren Uhr des Körpers zusammenhängt, die auch auf die Verwertung von medizinischen Substanzen einwirkt.

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Hoher Blutdruck ist nachts am gefährlichsten

Eine deutliche Blutdrucksenkung in der Nacht ist wichtig, wie frühere Studien gezeigt hatten: Hohe nächtliche Werte stellen ein großes Herzrisiko dar, selbst wenn der Blutdruck tagsüber im Normalbereich liegt.

Für die Studie nahm eine Hälfte der 19.000 Teilnehmer ihre Blutdrucksenker gleich morgens, die andere vor dem Zubettgehen ein. Die Frauen und Männer mussten ihren Blutdruck regelmäßig messen und Buch darüber führen. Die Forscher verfolgten die gesundheitliche Entwicklung der Patienten im Schnitt sechs Jahre lang, wie sie im „European Heart Journal“ schreiben.

Patienten, die ihre Medikamente vor dem Schlafengehen einnahmen, hatten sowohl nachts als auch tagsüber einen signifikant niedrigeren Blutdruck als Patienten, die ihre Medikamente jeden Morgen einnahmen. Getty Images/iStockphoto

Blutdrucksenker am Abend halbieren Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Während der Nachtruhe sinkt der Blutdruck ganz natürlich etwas ab, und die abendliche Medikamenteneinnahme forcierte den Effekt offenbar so nachhaltig, dass er über die kritischen Morgenstunden und den Tag anhält.

Als langfristige Wirkung halbierte sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei den „Abend-Patienten“ gegenüber den Hypertonikern, die ihre Medikamente immer morgens einnahmen.

Studienleiter Hermida sieht im Wechsel von morgendlicher zu abendlicher Einnahme der Blutdrucksenker eine einfache Möglichkeit, Leben zu retten: „Und es ist völlig kostenlos.“

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Langzeitmessung hilft, richtigen Einnahme-Zeitpunkt zu finden

Patienten sollten es allerdings mit ihrem Arzt besprechen, bevor sie den Einnahmerhythmus tauschen. Am besten ließe sich die individuelle Blutdrucksituation über eine Langzeit-Blutdruckmessung feststellen. Entsprechende Manschetten und Aufzeichnungsgeräte legt der Hausarzt oder Kardiologe dem Patienten an. 24 Stunden lang wird alle 30 Minuten der aktuelle Blutdruck gemessen.

Weitere Untersuchungen sollten nun herausfinden, ob die Bedeutung der Einnahmezeit je nach Wirkstoffgruppe variiert. Und wie es bei Menschen mit ungeregeltem Tag-Nacht-Rhythmus (Schichtarbeiter) aussieht. Diese Aspekte hatte die spanische Studie nämlich nicht berücksichtigt.

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